Cellarium


Das „ Cellarium“ ist ein plastisches Ensemble elementarer Möbel, deren Oberfläche mit einer „Haut“ aus Kirschkernen bedeckt ist. Die Anordnung der Möbel orientiert sich dabei nicht an einer realistischen, dem alltäglichen Gebrauch unterworfenen Anordnung,sondern am Stillleben, dem freien künstlerischen Spiel im Arrangieren alltäglicher Gegenstände. Der Name bezeichnete ursprünglich einen römischen Steinbau, eine Vorratskammer. Das Substantiv Cella, die Zelle, findet auch eine assoziative Verwendung beim Betrachten der dichten (Zell-) Struktur der aufgeklebten Kirschkerne.Das Adjektiv „still“- lautlos, ruhig...impliziert auch die Wörter „verborgen“ und „geheim“, die für den Ort des Kellergeschosses von fundamentaler Bedeutung sind. Der Keller ist der Ort bergender Erinnerung, aber auch Ort der (Wieder-) Entdeckung, an dem Dinge geborgen werden- an das Tageslicht gebracht werden und somit ins Bewusstsein treten. „Die Treppe, die zum Keller führt, steigt man immer hinab.“ (Bachelard) Möbel sind ein Hinweis auf menschliche Existenz. Die stilllebenhafte Anordnung erweckt den Eindruck des Abgestelltseins und berührt das Wesen der Vergangenheit. Ihre Stigmatisierung- das Bedecken der Oberfläche mit Kirschkernen transzendiert nun ihren eigentlichen Zweck und zwingt den Beobachter zur metaphorischen Leistung. Der Kirschkern, der Samen bewahrt den Schlüssel zur Reproduktion und kann in seiner irrationalen Anhäufung mit den Molekülen in den Genen assoziiert werden, die neuartige Formen hervorbringen in der fortschreitenden Entwicklung, die wir Evolution nennen. Die Inszenierung der Möbel als Stillleben symbolisiert auch die bewohnte Räumlichkeit als Ursprung der Existenz. Sesshaftigkeit war Voraussetzung für analytisches Denken, dem u.a. rationelle Methoden wirtschaftlichen Anbaus von Nutzpflanzen folgte. Eine wichtige Bedeutung innerhalb des Ensembles haben der (Ess-) Tisch, der den Herd als Zentrum des Hauses abgelöst hat und an den sich zu regelmäßigen Zeiten die ganze Familie versammelt und das Bett, „...der Ort, von dem sich der Mensch am Morgen zu seinen Tagwerk erhebt und an den er abends nach getaner Arbeit wieder zurückkehrt“. (Bollnow), (siehe dazu auch die Anmerkung zu „Orientierung“ in den „Thematischen Erläuterungen“ der Wettbewerbsausschreibung) Obwohl die Gestaltung des Gartens vor dem Kellergewölbe nicht Bestandteil der Ausschreibung ist, so will ich sie dennoch als Ergänzung zur Installation des plastischen Ensembles im Kellergewölbe vorschlagen. Der Wildheit des Gartens könnte eine Gruppe regelmäßig angeordneter, veredelter (lokalspezifischer) Kirschbäume gegenüberstehen, die als Zitat der heute noch rudimentär vorhandenen Obstwiesen gesehen werden können, aber auch „Poren“ in die hermetische Begrenzung des „Cellarium“ schlagen. Eine Gruppe von Kirschbäumen konstituiert eine dialektische Position von Drinnen und Draußen und macht diese über die Rezeption und Reflexion von und über das Kunstwerk erfahrbar.